Parallelprotokoll 03062319071928 Kühe

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570 Kühe
Parallelprotokoll 03062319071928
19:07
A
48771 und 8887 direkt vor uns. Es sind Kühe. Eine weiße schubbert sich am Hals. Eine kleine Kuh-Gemeinde hat sich versammelt.
B
[Staubige, sandige Luft. Der Geruch von Tieren ist allgegenwärtig.]1
C
Hinter dem Leitplankenzaun zur ‚Weide‘ (abgetretener brauner Boden ohne jeglichen Grashalm) versammeln sich bei unserer Ankunft zirka zwanzig Kühe, blicken uns an und versuchen, unter und diesseits der Leitplanke Gras und Blätter zu erwischen. Alle diese Kühe haben drei Plaketten/Markierungen auf ihren Ohren festgetackert – zwei auf dem rechten Ohr, eins auf dem linken. Die Kühe sind schwarz-weiß gefleckt, bei den meisten überwiegt das schwarze, bei den anderen eher das weiße Fell. Manche haben auch schwarz-weißen Punkte.
D
Das ist vielleicht eine coole Idee! Wir sitzen vor Jungkühen hinter dem Hof von B., der schon seit Jahren verlassen ist. Es staubt und riecht nach Rindviechern. 8703 steht auf der Ohrmarke der Nächststehenden. Gerade pinkelt eine mit hartem Strahl. Jetzt riecht es auch noch nach Rinderurin.
19:08
A
Es wird geballert. Eine andere Art muht vernehmlich. Der Zaun ist aus Autobahn–Fahrbahnplanken. Ungewöhnlich als Kuh-Zaun. Es riecht nach Urin.
B
[Kaum sind die Stühle abgestellt, füllen die Kühe, von denen es früher zwei gab, nicht mehr die weite Landschaft. Einige Kühe fangen an, in ungeheuren Mengen zu urinieren.]
D
Hinter den Kühen sind zwei große Ballenlager mit Stroh. Wieder ein Urinstrahl, Geruch und aufgewirbelter Staub.
19:09
A
Sie gucken unter dem Zaun durch zu uns. Zwischendurch nagen Sie an ganz kleinen übriggebliebenen Grashälmlein.
B
[Glauben sie, dass sie uns etwas zu essen geben werden? Jede Kuh hat insgesamt drei gelbe Markierungen an jedem Ohr.]
D
Was für schöne Köpfe Kühe haben. 8735 hat eine weiße Blesse und darüber schöne schwarze Haare. Die Mäuler sind schwarz oder weiß oder gesprenkelt. Es gibt einen abgehackten Urinstrahl. 8763 legt ihren Kopf auf das Hinterteil von 8771, damit sie uns auch beäugen kann.
19:10
A
Über mein Blatt spaziert ein kleiner schwarzer Käfer.
B
[Es macht mich ein bisschen traurig, das zu sehen. Ich frage mich, ob die Kühe glücklicher wären, wenn sie frei in der Natur leben könnten.]
19:11
A
Rechts wieder Pullern. Und komisches Klatschen. Als habe eine Kuh ein Kaugummi. Wenn sie einen Schritt geht, steigt eine kleine Staubwolke auf. Von hinten wärmt die Abendsonne meinen Rücken.
B
[Der Staub wirbelt immer noch auf. Eine Kuh in der letzten Reihe versucht verzweifelt, ihr Gesicht nach vorne zu strecken, um unsere Aufmerksamkeit zu erregen.]
C
Die Kühe in der zweiten Reihe sind neugierig und versuchen, über die anderen Kühe hinweg, ebenfalls einen Blick auf die vier Menschen diesseits des Zauns werfen zu können. Wenn eine Kuh sich nach hinten verzieht, rückt eine andere sofort an ihre Stelle.
D
Die Sonne strahlt hinter uns. A und D haben die Beine übergeschlagen. Die beiden und ich schreiben auf Papier, B auf dem Handy.
19:12
A
Eine Weiße will auch in die erste Reihe und rempelt etwas. 8731 lässt sie nicht vor.
B
[Der Geruch ist mitunter streng. Woher kommt dieser Geruch hauptsächlich? Ein grasiger, saurer Geruch, wie Essig.]
 19:13
A
8887 hat sich energisch von hinten vorgerempelt. 8825 macht interessante Gymnastik mit der Zunge. Sie leckt engagiert ihre Oberlippe. Ein rhythmisches schlatzendes Geräusch entsteht. 
B
[Einige der Tiere fressen das wenige übrig gebliebene Gras, das vor ihnen liegt. Sie sind so groß, dass eine solche Menge niemals ausreichen würde.]
C
Auf der jeweiligen Kennzeichnung der Plakette ist die Kennzahl, die jeweiligen Geburtsdaten und die Firma (Dealmaker) festgehalten.
D
Die Kühe sind mit einem Zaun abgetrennt, der wie ausgediente Leitplanken aussieht. Hinter den Pfählen haben sie einen Absatz getrampelt.
19:14
A
8735 steht etwas x-beinig. Ob das ein Zuchtziel ist? Ich habe X-Beinigkeit schon bei vielen Kühen beobachtet.
B
[Die Kuh ganz links hält ihre Zunge aus dem Maul und macht seltsame Bewegungen. Was ist hier los?]
D
Eine leckt sich mit ihrer langen Zunge das Maul. Das macht ein klatschendes Geräusch. Sie versuchen, unter den Zaun hindurch noch ein Hälmchen zu ergattern. Noch haben sie keine Euter. Aber bald werden sie den Rest ihres kurzen Lebens nur noch im Stall verbringen.
19:15
A
Sie haben keine dicken Euter. Vielleicht sind es junge Kühe, oder die, die nicht trächtig geworden sind.
B
[Von rechts ist ein Geräusch zu hören, das einem menschlichen Husten ähnelt. Glucksen Kühe manchmal auch? Die Kuh schräg links hat ihren Blick an einem Punkt angehalten, als wäre die Zeit für 30 Sekunden stehen geblieben.]
19:16
A
Lange Paarhufe. Bei 8735 ist die Haut zwischen den beiden Hufen etwas rosa.
B
[Die Körper der Kühe stoßen manchmal wild zusammen, um irgendwie an Futter zu kommen.]
C
Ein hingeworfenes Blatt wir sofort von einer Kuh (8771) dankbar verspeist. Zu hören sind die leicht schnaufenden Atemgeräusche durch die Nasen sowie quietschende Verdauungsgeräusche.
D
Hinten am Stall klappert es. Dort scheuern sie sich an den Gittern.
19:17
A
Sie gucken und uns an und kauen. Was kauen Sie? In ihrem Gehege ist kein Gras zu finden.
B
[Was für ein Tag war das heute für sie? Denken sie über solche Dinge nach?]
D
Ich habe das Bauernhaus und die Milchviehanlage lange nicht mehr aus dieser Perspektive gesehen. Sie hat sich total ausgeweitet. Früher gab es das Hochsilo und die Biogasanlage nicht. Gerade frage ich mich, wer die ganze Milch braucht.
19:18
A
8701 kackt. T. sagt, ‚kacken‘ ist ein hässliches Wort. Sie rät davon ab, es zu verwenden.2 Im Hintergrund liegen zwei große Stapel Strohrollen. Daneben eine Gruppe Kühe beim Strohessen.
B
[Wie im Gleichschritt bewegen sie ihre Kiefer und das Geräusch des Weidens geht weiter.]
C
Obwohl sie locker unter dem Leitplankenzaun hindurch passen würden, versucht keine Kuh auf die andere Seite zu kommen. Eine Kuh niest oder hustet. Eigentlich ist nichts oder nur sehr wenig zu fressen da, dennoch kauen die meisten irgendetwas. Eine Kuh leckt einer anderen Kuh am Ohr. Die Blicke der Kühe sind konzentrisch auf uns vier Menschen gerichtet.
19:19
A
8778 hustet ergiebig. Sie hat Schleim im Mund Maul.
B
[Lautes Husten, ist ihr etwas im Hals stecken geblieben? Wieder hustet sie. Hofft auf einen baldigen Schluck Wasser.]
D
8764 hat eine weiße Haarfrisur. Und einen fast weißen Kopf. Nur über dem rechten Auge ist ein schwarzer Fleck. Die Wimpern über den braunen Augen sind auch weiß.
19:20
A
8709 schubbert ihren Halswirbelbereich. Haben Kühe Parasiten im Fell?
B
[Ich schaue ernst in die Gesichter der Kühe und kann keinen Ausdruck erkennen, so dass das Wort ‚Pokerface‘ angebracht ist.]
C
Zwei Kühe wenden sich ab und verziehen sich auf die ‚Weide‘, eine braunscheckige Kuh (Nr. 8742) kommt hinzu, manche Kühe sabbern, keine Kuh muht.
D
Gerade brummt eine Bremse vorbei.
19:21
A
Die mit der Zunge macht noch immer ihr rhythmisches Spiel. Zwei Wildgänse fliegen über unser Szenario.
B
[Ehrlich gesagt kann ich nicht einmal beide Augen untersuchen, um zu sehen, wohin sie schauen. Ich kann immer noch die gelegentliche lange Zungenbewegung bei einigen der Kühe sehen. Ich frage mich, in was für einer Situation oder in welchem Geisteszustand sie sich befinden.]
D
Über uns fliegen kleine, wendige Vögel, Hundegebell ist zu hören. Jetzt sind über uns zwei Gänse.
19:22
A
Gegenüber den Strohrollen-Stapeln ist ein oller Stall, er ist aus großen Ytongsteinen gebaut und mit grauen Zement rau verputzt.
B
[Ich glaube, sie haben begriffen, dass sie nicht gefüttert werden und haben begonnen, sich ein wenig zu beruhigen.]
D
8825 ist das mit der Zunge. Sie macht es wieder. Ob sie etwas gestochen hat? Sie wirft die Zunge immer von links nach rechts, dann rollt sie sie ein und beginnt von vorn.
19:23
A
8825 nach wie vor mit ihrem Zungen-Tick. Es könnte eine Art hospitalistische Angewohnheit sein.
B
[Die Augen der Kühe sehen ein wenig rot und blutunterlaufen aus – sind sie alle gesund? Die Kuh vor mir hat begonnen, ihre Nase am Zaun zu reiben.]
19:24
A
Weiter hinten die Farm: Riesenhallen. Jetzt sehe ich eine einzelne rotbunte Kuh unter all den schwarz-bunten.
B
[Hat es gejuckt? Wie sehen die fünf Sinne einer Kuh aus? Sind sie völlig anders als beim Menschen?]
D
Ob ihnen langweilig ist? Sie glotzen uns jedenfalls an wie eine große Attraktion und Ablenkung. Seit wir da sind, hat sich keine aus der ersten Reihe wegbewegt. Mir fällt zwischen den schwarzweißen eine braunweiße Kuh auf.
19:25
A
Ich stelle es mir eigenartig vor, Paarhufe zu haben.
B
[Trotzdem ist es ein schöner Tag, strahlend blau und wolkenlos. Die Kühe, die nicht nach vorne gekommen sind, wirken ruhiger und entspannter als die vor uns.]
C
Jetzt muht doch eine Kuh, bewegt Kopf und Oberkörper hin und her. Insgesamt herrscht eine neugierig-friedliche Atmosphäre.
19:26
A
Zwei Kühe zicken sich etwas an. Sie verlassen die erste Reihe. Der Bereich diesseits der Fahrbahnplanken ist einen halben Meter breit abgefressen. Soweit kommen sie.
B
[Die vorderen Kühe haben die hinteren ein wenig von der Gruppe weggedrängt. Ist ihnen langweilig geworden?]
D
Es kommt etwas Bewegung in die Herde. Wir verlieren an Attraktivität.
19:27
A
Das Fressen von Gras wäre ja eigentlich auch ein netter Zeitvertreib für Kühe. Aber hier gibt’s nur braune Erde.
B
[Ein raues Schnauben ist zu hören. Das Wort wild kommt mir in den Sinn, wenn ich sie ansehe.]
C
Die Kühe sind weniger geworden, auf der rechten Seite, von mir aus gesehen, sind nur noch drei Kühe.
19:28
A
Die Braunbunte ist jetzt wieder im Bildhintergrund. In ihrer Nähe klappert jemand (Kuh) mit einer Kette.
B
[Manche Kühe machen manchmal laute Fressgeräusche. Kühe haben auch unterschiedliche Persönlichkeiten. Wenn du genau hinsiehst, kannst du sehen, dass die Kühe anscheinend über den Zaun klettern können und hierher kommen, aber warum tun sie es nicht?]
C
Die Kühe beobachten uns, scheinen aber nichts zu erwarten.


1 Text in eckigen Klammern: übersetzt mit DeepL.com – in diesem Parallelprotokoll aus dem Japanischen.
2 Z: Eine französische Freundin nennt es gar ‚hmm-hmm‘, die Tätigkeit. Es war kompliziert herauszukriegen, was sie sagen wollte.