Reiseerinnerungen

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Ich erinnere mich

28 Kommentare

  1. „Ich erinnere mich, wie ich im Morgengrauen in der Küche am Fenster stehe und den Eltern winke, die verreisen. Ich erinnere mich, wie ich ein braves Mädchen bin und lächle und ich erinnere mich an das Gefühl der Tränen auf meinen Wangen.“

  2. Ich erinnere mich als ich mit 5 Jahren von Heide nach Hamburg laufen wollte, weil ich mich so über meine Oma geärgert habe. Ich erinnere meine Wut, Hilflosigkeit und meinen Trotz. Meine Oma guckte aus dem Fenster und sagte: „Nach Hamburg gehts aber in die andere Richtung!“ Ich stand auf dem Bürgersteig, hab geheult und bin losgelaufen.

  3. Ich erinnere mich an die kritzegrünen Raupen. Wir gingen mit Opa seinen täglichen Spaziergang durch den Wald. Die Raupen hingen in Nasenhöhe von den Bäumen.

  4. Ich erinnere mich an den Ausblick aus dem letzten Wagon, ich erinnere mich an das rasende Gleisbett und die stehende Luft im Zug. Ich erinnere mich an Sendeschluss.

  5. Ich erinnere mich an Fahrradfahren im Kniepsand auf Amrum und immer wieder Splietau, mein NLP-Ort — reiten, reiten, reiten, in der Reithose schlafen, von Klaus‘ Trompete geweckt werden, reiten, Hagebuttentee und Pflaumenkuchen, goldener Herbst und das Gefühl von Zuhause — in Splietau war mein Leben ein Ponyhof, John Sinclair und Queen, Rocky Horror Picture Show und „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“, mein erster Kuss vom Dorfpunk Dennis. Auf meinem Lederschulranzen hatte ich fett mit Edding geschrieben: ‚Alles Scheiße, alles Mist, wenn man nicht in Splietau ist.’ Das denke ich auch heute noch oft.

  6. Ich erinnere mich an den Schinkenduft in den Dachkammern des Reiterhofes und an die steile Treppe hinauf. Die Freundin hatte von Zuhause für jeden Tag große Beutel Süßigkeiten gegen das Heimweh mitgebracht.

  7. Ich erinnere mich ans Gewecktwerden mitten in der Nacht. An das Frösteln am Frühstückstisch um halb vier, das frühe Brötchen im schläfrigen Magen. Reisefieber und Müdigkeit. An eiliges Spülen, Losfahren vor fünf, um dem Stau zuvorzukommen. An die Thermoskanne, den Straßenatlas auf dem Rücksitz. Ich erinnere mich an die aufgehende Sonne über der Autobahn.

  8. Ich erinnere mich an die aufgehende Sonne und das langsame Wachwerden, an den Dampf über der Kaffeetasse und die müden Mitreisenden. An die Wehmut, den Jungen loslassen zu müssen und die Freude für ihn. Ich erinnere mich an das Holpern des Wagens, das ich mit dem Arm ausgleiche, damit der heiße Kaffee nicht auf meinen Schoß schwappt.

  9. Ich erinnere mich an die laufende Nase, die roten Wangen und die steifen Finger, die die Wanderstöcke nicht loslassen wollen. Ich erinnere mich an den Antrieb der mir die erwartete Wärme bot. Ich erinnere mich an die Gerüche der Socken und Schuhe im Trockenraum vermischt mit Kaiserschmarrn.

  10. Ich erinnere mich an den Ausblick aus dem letzten Wagon, ich erinnere mich an das rasende Gleisbett und die stehende Luft im Zug. Ich erinnere mich an Sendeschluss.

  11. Ich erinnere mich an Schneebedeckte Berge Ich erinnere mich an kalte Füße ich erinnere mich an den Geschwindigkeitsrausch der ersten Abfahrt in Alberg ich erinnere mich an Käsespätzle ich erinnere mich an Hüttengaudi.

  12. dorothee

    D. / 11. Juni 2020

    Ich erinnere mich an das Ankommen. Die Luft. Nicht-Luft eher. Trete aus der Tür. Atme. Schaue. Auf die Stadt. Ein großes, farbenfrohes Dorf eher. Atme. Ein. Ein. Ein. Gehe langsam die Gangway hinab.

  13. Ich erinnere mich an den 27. August 1992, ich durfte als allein reisendes Kind als erstes das Flugzeug betreten. Ich erinnere mich an die Stewardess, eine ältere, elegante Frau mit langen Fingernägel. Sie fragte mich immer wieder und etwas mitleidig wie es mir ginge. Ich erinnere mich an die Luft der Ankunft, die mich wie eine Wand in das Flugzeug zurückdrängte. Ich erinnere mich an ein Chaos von Autos und Hupen und an die Hitze der Großstadt. Ich erinnere mich an die schlechte Laune im Auto.

  14. Ich erinnere mich an einen Tag im August. Koffer gepackt, in Eimern mit Wasser unsere Zimmerpflanzen, das Auto meiner Eltern voll getankt. Heute Nacht um 2 Uhr geht es los – Camping an der Adria. Freudige Erwartung. Dann die Nachricht im Radio und die Worte meines Vaters: Wer weiß, ob wir fahren können … August 1968, Ende des Prager Frühlings.

  15. Wir sind sehr früh aufgestanden. Ich glaube, es war sogar vier Uhr morgens. Da wir zu Fuß noch einmal durch die ganze Stadt laufen mussten, um zum Bus zu gehen, der uns zum Flughafen brachte. Ich erinnere mich an den bitteren Geschmack des Espresso und an die schönen Tassen als denen wir tranken.

  16. Wir sind sehr früh aufgestanden. Ich glaube, es war sogar vier Uhr morgens. Da wir zu Fuß noch einmal durch die ganze Stadt laufen mussten, um zum Bus zu gehen, der uns zum Flughafen brachte. Ich erinnere mich an den bitteren Geschmack des Espresso und an die schönen Tassen als denen wir tranken.

  17. Ich erinnere mich, wie ich mit Spichi von Tegel nach Athen flog und vier Stunden Aufenthalt am Flughafen hatte. In meiner Erinnerung hatte ich die Idee, diese Zwischenzeit zu nutzen, um sich die Akropolis anzuschauen. Gesagt getan und pünktlich zum Sonnenuntergang standen wir auf dem Berg vor der Akropolis. Zurück am Flughafen mussten wir den Flieger nach Tel Aviv nehmen. U. würde uns da früh um 3 Uhr oder 4 Uhr erwarten. Als Spichi und ich in Tel-Aviv auschecken wollten, sahen wir uns vor einer Gruppe Südkoreaner*innen, die auch mit uns geflogen waren. Und wie auf ein unsichtbares Zeichen hin packten alle zusammen, zur gleichen Zeit, gemeinsam ihre Akkordeons aus und fingen gleichzeitig an, die israelische Nationalhymne zu spielen.

  18. Ich erinnere mich an die Decke mit den vielen Reihen kleiner Punkte in dem VW-Bus meiner Eltern. Ich liege in der Klappe, also im Bereich der dem Kofferraum zugeordnet hört. Es ist sehr spät und wir fahren von Dänemark oder Holland zurück nach Hamburg. Es ist ein Ort an dem die Straße, vielleicht auch die Autobahn, beleuchtet ist, denn ich verfolge die Lichter an dieser Decke und schaue den Mustern nach, die sie im Vorbeifahren bilden. Ich schlafe ein.

  19. Der Zug stoppt in K. Ich erinnere mich an die kalten Kartoffeln in der transparenten Plastiktüte, die die alte Frau den Reisenden zum Kauf anbietet.

  20. Der Abteil ist für uns 6 reserviert: Granmi, Granpa, meine Mutter, meine Schwester, mein Bruder und ich. Jeden Sommer das gleiche. Das Auto fährt zuerst und wir, mit dem Nachtzug, fahren hinterher. Die Ankunft am frühen Morgen in der sonnigen Hafenstadt. Damals bekam man noch von der Zuggesellschaft Frühstück serviert in einer großen Bahnhofshalle. Alle Familien waren da. Mein Highlight? Die kleinen Marmeladendosen, die auf uns warteten.

  21. Ich erinnere mich an den abgerissenen Griff und wie mein Vater mit dem wild baumelnden Koffer über den Bahnsteig in Oslo rennt. Ich stehe in der Tür des Zuges und rufe zum Schaffner: „Mein Vater! Mein Vater!“

    • Ich erinnere mich an einen Fjord mit mehreren Inseln. Wir haben ihnen die Namen der Wochentage gegeben – Montagsinsel, Sonntagsinsel… Wir sind dort hingerudert und haben einmal die kleinen Geschwister für ein Weilchen dort ausgesetzt. Als wir auf einer Insel übernachten wollten, haben die Eltern das nicht erlaubt, weil wir eine Kreuzotter gesehen hatten. Doch wir haben ein Feuer gemacht und in einer alten Konservenbüchse Miesmuscheln gekocht, die wir auf dem flachen Fjordgrund gesammelt hatten. Und ich habe rülpsen gelernt. Es hat viel geregnet und wir haben viel geübt und einen Wettbewerb veranstaltet: Wer kann so laut rülpsen, dass die Kleinen aus dem Mittagsschlaf aufwachen?

  22. Ich erinnere mich an das vertraute Duftgemisch aus Räucherstäbchen, Hitze und Kuhfladen beim Austreten aus dem Flughafen. Es war eine Reise zurück in die Kindheit und zurück zu meinem Ursprung.

  23. Ich erinnere mich, dass der Strauß Gladiolen, den meine Oma mitgenommen hatte, an der Zonengrenze einzeln auseinenandergenommen wurde. Ich erinnere mich, dass mein Micky-Maus-Heft argwöhnisch betrachtet wurde und ich Angst hatte, dass es mir weggenommen werden würde. Die Erleichterung, dass ich es behalten durfte.

  24. Ich erinnere mich an an das Schlafen im Zug auf der Rückreise. Mit Sonnenschirm im Gepäck, an ihm hängt ein Frachtsticker, Rot-Gelb gestreift und eingehüllt in mit Seesternen bedrucktest Plastik.

  25. Ich erinnere mich, am 23. November 2015 in meinem Campervan Berlin zu verlassen, um erst nach etwa drei Monaten zurückzukommen. Das erstmalige Gefühl unbegrenzter Freiheit. Der Geschmack lauwarmen Kaffees aus dem immer undichten Thermobecher. Frei und glücklich sein ohne Verpflichtungen, die früher mein Leben bestimmten.

  26. Ich erinnere mich an die Beerdigung des nacht-blauen 4-Personen-Zeltes, das uns so gute Dienste geleistet hat. Jetzt kommt ans Licht, dass es unabsichtlich von meinen Eltern bei Aldi, in der unteren Ablage des Einkaufswagen liegend, geklaut wurden: der Grund, warum es bis es den Geist aufgibt in Ehren gehalten wurde.

  27. Ich erinnere mich, an Schweißperlen und die zerbissenen Lippen. Ein halber Tag ohne gültigen Pass auf einer algerischen Polizeiwache. Nur wenige Wochen nach dem Französisch Abi, hatte ich alle französischen Wörter vergessen.

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